Blog » Inhalte » 23. Mai 2007
virtal:nights - was nun?
Wie ich ja gerade geschrieben habe, ist Holtzbrinck Ventures bei virtual-nights.com eingestiegen. Meiner Meinung nach ist dies ein durchaus gelungener Schritt, da auf der einen Seite der Nightlife-Markt sehr lukrativ ist und auf der anderen Seite auch noch sehr zerstückelt ist.
Momentan gibt es in Deutschland keinen dominierenden Anbieter, der ähnlich wie das studiVZ den Markt dominiert. Stattdessen gibt es sehr viele einzelne Anbieter, die nur regional tätig sind. Ein paar Anbieter wie eben virtual-nights.com, partyshooters.de, tillate.com, eins.de und stadleben.de werben zwar mit ihrer deutschlandweiten Tätigkeit, aber redaktionell vertreten sind sie nur in vereinzelten Städten.
Soweit ich es aber überblicken kann, haben all diese Nightlife-Portale die einmalige Chance, DAS Nightlife-Portal in Deutschland zu werden. Es war daher ein geschickter Schachzug von virtual-nights.com etwas Geld in die Kriegskasse zu bekommen. Gerade auch deswegen, weil sie der einzige Anbieter sind, die einen wirklich nennenswerten News-Bereich haben und sich dadurch von der Masse der Partybilder etwas abheben.
Aber es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis weitere Anbieter von Nightlife-Portalen nachziehen werden. Ich denke mal, aufgrund dies heutigen Deals werden einige VCs nun den Markt analysieren. Geld brauchen eh alle Portale in diesem Themenbereich.
Daher erwähne ich an dieser Stelle auch gerne, dass ich einen ähnlichen Einstieg bei stadtleben.de, an deren Entwicklung ich etwas beteiligt bin, durchaus unterstützen würde
Denn technisch gesehen dürfte stadtleben.de ziemlich weit vorne sein. Zumal noch einige Ideen auf die Umsetzung warten, was bislang nur am mangelnden Geld gelegen hat. Das ist eben der Nachteil, wenn man "nur" externer Berater und nicht selbst Gründer ist. Mit ein wenig gutem Marketing dürfte auch dieses Portal in diesem Jahr noch richtig durchstarten.
Aber gut... Was würde ich an Stelle von virtual-nights.com mit Geld machen? Zum einem würde ich etwas Geld in den redaktionellen Teil des Portals stecken. Dies ist ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal, wenn man sich die Konkurrenz anschaut. Zwar gibt es dort auch News, aber größtenteils nur auf die Schnelle zusammenkopiert und nicht wirklich durch einen Redakteur geschrieben. Es wird zwar oft bestritten, aber die User bekommen diesen Qualitätsunterschied durchaus mit.
Aber der alleinige Ausbau der Redaktion wird sicherlich nicht ausreichen, um die Marktführung in Deutschland zu übernehmen. Ich bezweifle auch, dass eine Erweiterung der Ressorts (also die Städte, in denen das Portal vertreten ist) im bisherigen Maßstab zum Erfolg führen wird. Es dürfte einige Monate dauern, bis man ein gut funkionierendes Netz und vor allem Fachpersonal in den jeweiligen Städten aufgebaut hat. Zumal in fast allen Städten bereits Nightlife-Portale auf regionaler Ebene erfolgreich existieren. Nur mit hohem Marketing dürfte man die Marktmacht der lokalen Anbieter, die zudem auch den Markt viel besser kennen, aufbrechen können.
Meiner Meinung nach gibt es drei verschiedene Vorgehensweise für die Etablierung eines deutschlandweiten Nightlife-Portals:
1. Möglichkeit: Das Venture Capital wird dazu genutzt, einen direkten Konkurrent aus einer anderen Region aufzukaufen. Im Optimallfall könnte auf einen Schlag ein Anbieter mit über 100.000 Mitglieder und 100.000.000 Seitenabrufen im Monat entstehen. Die Konkurrenz hätte erst einmal nichts dagegenzusetzen. Denn auch wenn es sich einfach anhört, gibt es nur wenige Portale in Deutschland, die sich perfekt ergänzen und bei denen es kaum Überschneidungen bei den Mitgliederdaten gibt.
2. Möglichkeit: Das Geld wird genutzt, das Portal als Franchisgeber am Markt zu positionieren. Dazu wird ein umfassendes System entwickelt, durch das es bestehenden regionalen Portal-Betreibern möglich wird, ein Teil eines großen Anbieters zu sein. Denn wenn man ehrlich ist, wollen die wenigsten regionalen Anbieter ein eigenes Portal-System entwickeln und sich mit dem Aufbau einer eigenen Marke beschäftigen. Viel eher wollen sie lieber selbst Party organisieren, Fotos machen und mit den Mitgliedern in Kontakt stehen. Ein Franchisegeber könnte hier helfen, so dass sich die kleinen Anbieter nur noch auf das konzentrieren, was ihnen am meisten Spaß macht.
3. Möglichkeit: Das Geld wird genutzt, das Portal so umzubauen, dass über APIs die Club-Besitzer auf die Mitgliederdaten selbst zugreifen können. Es gäbe dann ein überregionales Nightlife-Verzeichnis mit Branchendaten und jeder Menge Bildern - im Grunde genommen ein del.icio.us für Partybilder und -clubs.
Welche Möglichkeit nun die beste ist, mag ich momentan nicht abschätzen. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es noch eine weitere Möglichkeit gibt. Persönlich favorisiere ich aber Möglichkeit Nr. 3 am ehesten.
Momentan ist das Rennen noch völlig offen. Ich schließe es nicht aus, dass sogar ein Neuling mit entsprechender Web 2.0-Prägung noch gute Chancen hätte. Aber ich vermute mal, dass spätestens in einem Jahr der Markt bereinigt sein wird und dass sich ein deutlicher Marktführung positioniert hat. Die besten Chance wird momentan virtual-nights.com durch den Deal haben.
