Blog » Inhalte » 27. Februar 2008

Will Wrights Design-Philosophie

golem.de hat am vergangenen WOchenende über einen interessanten Vortrag von Will Wright, dem Erfinder von "SimCity" und "Die Sims", berichtet. In diesem Vortrag stellte Wright seine Designphilosophie vor, die sich wie folgt zusammenfassen lässt:

Er sieht in der Populärkultur einen festen Kreislauf aus ursprünglicher Story, deren Dekonstruktion, dem sprichwörtlichen oder gedanklichen Spielen mit diesen Einzelelementen, deren Veränderung und der abschließenden Aufnahme in eine neue Story.

Bei golem.de wird alles natürlich noch etwas genauer dargestellt und mit ein einigen Beispielen unterlegt.

Aber seitdem ich am Sonntag diesen Beitrag gelesen habe, frage ich mich, wie sich der Ansatz auf Social Networks übertragen lässt. Bislang baue ich mir in allen sozialen Netzwerken eine eigene, kleine Basis auf. Ähnlich wie ich mir bei SimCity eine eigene Stadt aufbaue. Das ist die Story. Aber wo ist die Dekonstruktion und das Spielen mit den Einzelelementen? Bei SimCity reiße ich nach und nach Teile meiner Stadt wieder ein und erschaffe sie neu. Bei sozialen Netzwerken bin ich eigentlich "fertig", wenn ich mich mit allen meiner Freunde verknüpft bin.

Ein ersten Ansatz für das "darüber hinaus" liefern mittlerweile Facebook und MySpace mit den zur Verfügung stehenden Applikationen. Hier kann ich jeden Tag meine Profile neu erschaffen, in Einzelteile zerlegen, umordnen, erweitern, etc. Meiner Meinung nach ist genau dieses Spielprinzip der Schlüssel zum Erfolg von Facebook und MySpace. Und auch der Grund warum studiVZ langfristig nur eine untergeordnete Rolle spielen wird.

Aber warum ist dies schon alles? Warum kann ich eigentlich nicht meine Freunde remixen? Warum müssen Freunde immer meine Freunde bleiben? Warum kann ich nicht Freunde noch in Untergruppen einordnen? Warum kann ich nicht die Bilder meiner Freunde (oder falls erlaubt jegliche fremde Bilder) mit meinen eigenen komibinieren und durch beispielsweise Sprechblasen erweitern?

Wenn ich mich an die Anfangszeit von Weblogs in Deutschland erinnere, funktionierten sie übrigens auch nach der genannten Designphilosophie. Jemand schrieb etwas in sein Blog, andere Blogger zerteilten die Inhalte in ihre Einzelteile, remixten sie in ihren eigenen Blogs und wieder andere setzten die Kette im Idealfall fort.

Ich finde die Designphilosophie von Will Wrights wahnsinnig interessant - auch wenn sie vielleicht keine große Revolution ist. Aber im Grunde genommen ist eine ähnliche Philosophie schon seit ein paar Monaten die neue Grundlage von meiner Software gupsi:media.

Anfangs handelte es sich dabei um reines Weblog-System, mit der Zeit wurde daraus ein System für soziale Netzwerke und nun möchte ich daraus ein neuartiges CMS machen. Neben den eigentlichen Zielen eines CMS, wie Inhalte veröffentlichen oder Profildaten verwalten, soll das System immer auch die Chance zum Remixen und Neugestalten geben. Egal ob es sich dabei um Inhalte, Layout und sonstige Datensätze handelt. Das System soll dabei kein starren, vorgegebenen Aufbau haben, sondern soll eher dynamisch mit dem Anwender bzw. der Anwendung wachsen. Ich finde dafür den Begriff "organisches CMS" eigentlich ganz passend.

Ich weiß, dass es vielleicht überzogen, unrealisierbar oder gar langweilig klingen mag. Aber ein Traum ist eben ein Traum und warum sollte man nicht versuchen, ihn in die Tat umzusetzen ;-)

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